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WEG MIT DEN DROGENVERBOTEN! Für die Abschaffung der modernen
Todesstrafe Jedes
Jahr, wenn der Bundesdrogenbeauftragte die neuesten Zahlen der
"Drogentoten" veröffentlicht, wiederholt sich das gleiche Schauspiel:
Wenn sie gestiegen sind, begreifen die Hardliner der Drogenpolitik sie als
Auftrag, die Verfolgung und Bestrafung zu intensivieren und zu effektivieren.
Sind sie indes gefallen, so kann das als Erfolg eben jener Politik verkauft
werden; und außerdem signalisieren dann eben eine größere Anzahl der NeueinsteigerInnen
oder deren sinkendes Durchschnittsalter oder derlei mehr Handlungsbedarf.
Spiegelbildlich die rot-grünen Modernisierer: Einen Rückgang der
"Drogentoten" sehen sie als Beleg für ihre "neuen Wege",
d.h. die staatliche Methadonvergabe, einen Anstieg als Beleg, daß es für ihre
Politik höchste Eisenbahn sei. Wer
wahrgenommen werden will, muß sich in der drogenpolitischen Diskusson ins Lager
der Tauben oder der Falken schlagen. Hinter diesen Alternativen aber
verschwindet nicht nur die liberale Idee, daß es Dinge gibt, die den Staat
schlicht nichts angehen - beispielsweise welche Marmelade jemand gerne ißt, wie
warm eineR sich im Winter kleidet oder welches Rauschmittel er oder sie gerne
raucht, schnupft, trinkt oder injiziert. Es verschwindet auch die
materialistische Erkenntnis, daß die 2000 HeroinkonsumentInnen, die jährlich jämmerlich
verrecken, nicht an der Droge zugrunde gehen, sondern an den Bedingungen, unter
dem der Staat sie ihre Droge konsumieren läßt. Drogenfreie
Gesellschaften hat es erstens noch nie gegeben (und zweitens wären die kein
Argument für gar nichts), doch häufig Versuche der Herrschenden, den Gebrauch
bestimmter Drogen zu unterbinden. Im 17. Jahrhundert z.B. verboten verschiedene
Fürsten Tabak und Kaffee, die Drogen der aufkommenden Bourgeoisie - bis hin zur
Kopfgeldzahlung und Todesstrafe für die KonsumentInnen. Die modernen
Drogenverbote stammen aus den Zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts, als auf den
internationalen Opiumkonferenzen die bis dahin üblichen Arznei- und Genußmittel
Opium und seine Abkömmlinge, Morphium und Heroin, Kokain und Cannabis verboten
wurden. Was aber zunächst nicht mehr war als kaum kaschierte
innerimperialistische Konkurrenzausschaltung zu Lasten des Hauptproduzenten
chemisch aufbereiteter Drogen, des Kriegsverlierers Deutschland, verwandelte
sich in der Folge zu einem beispiellosen Feldzug, mit dem Strafrecht den
moralisch korrekten Lebensstil durchzusetzen. Das
alberne Verbot: Cannabis. Daß
Drogenpolitik keine Frage der Vernunft, sondern der Gesinnung ist, zeigt am
offensichtlichsten die Geschichte des Haschischverbots. In den USA von Harry J.
Anslinger, später dann weltweit - und, in der sog. Single Convention von 1961,
auf alle Ewigkeit - durchgesetzt, bediente es sich der Begründungen je nach politischer
Opportunität. Anfangs als die "Niggerdroge" denunziert, die ihre
vorgeblich rein schwarze KonsumentInnenschicht zu Aggressivität, Aufruhr und
Vergewaltigung der weißen Frauen aufstachele, konnte 1972 die damalige
Gesundheitsministerin Strobel zwar nicht minder rassistisch, aber doch genau
umgekehrt Haschisch als Droge charakterisieren, die "unsere Jugend zu trägen
Orientalen" mache. Noch 1965 bezeichnete der UNO-Drogenbeauftragte Nahas
Cannabis als gebräuchlichstes Mittel zum Freitod in Europa. Keine der Legenden über
die Gefährlichkeit von Haschisch haben sich je wissenschaftlich nachweisen
lassen. Doch reicht den BefürworterInnen der Prohibition der einmal
ausgesprochene Verdacht auf körperliche Schädlichkeit bis heute, um das Verbot
einer Substanz zu legitimieren, die seit 68 noch unter ganz anderem,
schwerwiegenderen Verdacht steht: Symbol einer rebellischen Subkultur, die die
bürgerlichen Werte ablehne, zu sein. Auf
die Wissenschaft nun haben sich auch die FreigabebefürworterInnen mit Energie gestürzt.
Statt den Anspruch des Staates, über die Gesundheit seiner BürgerInnen zu verfügen,
zu hinterfragen, werden sie nicht müde, die Ungefährlichkeit ihres Krautes (und
seit neuestem auch seine ökologische Wunderkraft) zu präsentieren. Und jubelten
daher, als das Bundesverfassungsgericht Anfang 1994 "Jein" zu
Freigabe sagte, über eine "Trendwende in der Drogenpolitik", statt zu
registrieren, was wirklich geschehen war: Weil die Millionen KifferInnen allein
in der BRD täglich Baudelaires Diktum, mit ihnen sei kein Staat zu machen,
widerlegen; weil nur jedeR hundertsoundsovielte von ihnen erwischt wird, ohne
daß diese Gesellschaft irgendwie aus dem Ruder gleiten würde, konnte die
Durchsetzung eines Verbots, daß sich als unpraktikabel erwisen hatte, einstweilen
zurückgestellt werden. Gegen wen es nun mit aller Kraft gehen sollte, hatten
die KifferInnenverbände selbst mehr oder minder deutlich ausgesprochen: gegen
die wahrhaft gefährlichen, weil "harten" Drogen, mit denen in einen
Topf Cannabis zu schmeißen der Drogenpolitik eigentlicher Fehler gewesen sei.
Nicht genug damit, daß die Hänflige sich braven Untertanen gemäß darüber
freuten, eine einmal genommene Freiheit als Recht (d.h. unter staatlicher Gewähr)
zurückzubekommen, ist ihre Forderung nach "Trennung der Märkte"
Stichwortgeber modernisierter Drogenpolitik, die die Grenzen zwischen guten und
bösen Drogen neu zieht. Daß aber der öffentlichen, durch "Bild" etc.
repräsentierten Meinung diese effektivere, weil konzentriertere Repression
zumeist noch zu pragmatisch ist, läßt leider noch Schlimmeres als ohnehin schon
fürchten für die, gegen die es nun geht: die Junkies. Das
tödliche Verbot: Heroin. Um
zu verstehen, wieso das Cannabisverbot für die Betroffenen nur nervig, das
Heroinverbot jedoch mörderisch wirkt, lohnt sich wiederum ein Blick in die
Geschichte. Diacetylmorphin, besser bekannt unter seinem Markennamen
"Heroin", wurde von Bayer 1901 lizensiert und als Hustenmittel
angepriesen. Hauptsächliche Anwendung fand es, analog zu seiner
Schwestersubstanz Morphium, allerdings als Schmerzmittel, und als solches
wiederum in den damaligen Kriegen. So war es kein Wunder, daß insbesondere
ehemalige Soldaten, die neben der schmerzstillenden auch die euphorisierende
Wirkung der Opiate kennen und schätzen gelernt hatten, Heroin und Morphium auch
zu Genußzwecken konsumierten (und damit Vorreiter eines verbreiteten Vergnügens
der damaligen Bourgeoisie wurden). Als integrierte und unauffällige Mitglieder
der guten Gesellschaft gerieten sie alle nie in die Gefahr, als "Drogenproblem"
Objekt der Diskussion zu werden, und selbst unter den Nationalsozialisten
wurden abhängig gewordenen KonsumentInnen (selbstverständlich nur den
deutschen, unverdächtigen) ihre Opiate vom Arzt verabreicht. Erst das 1972
verabschiedete Betäubungsmittelgesetzes (BtmG) unterband diese Praxis der
Opiatverschreibung; inzwischen war nämlich, im Dunstkreis der
experimentierfreudigen 68erInnen, ein neues, vornehmlich subproletarisches
GebraucherInnenmilieu entstanden, das, anders als früher, zu Rezeptfälschungen,
Apothekeneinbrüchen o.ä. griff, um an die begehrten Substanzen heranzukommen.
Mit diesem Einschnitt begann die Produktion der "Junkies", d.h. jener
verelendeten HeroinkonsumentInnen, wie wir sie aus "Bild",
"Stern" und der Bahnhofsgegend kennen. Für
OpiatgebraucherInnen ist der Tod auf der Bahnhofstoilette, anders als das
Gerede von der "Killerdroge Heroin" uns weismachen will, keineswegs
vorgezeichnet. Wer, wie früher die ÄrztInnen, ApothekerInnen und Soldaten,
Zugang zu reinem und korrekt dosierbarem Heroin besitzt, hat beste Ausichten,
bis ins hohe Lebensalter von seinem oder ihrem Heroinkonsum keinen Schaden
davon zu tragen. Auch heute zeugen diejenigen UserInnen, die gutsituiert und
mit Zugang zu gutem Stoff einen unauffälligen Lebenswandel pflegen und deren
Anteil auch an den abhängigen HeroingebraucherInnen nach allen Schätzungen weit
mehr als die Hälfte ausmachen dürfte, von dieser Möglichkeit eines risikoarmen
Umgangs mit ihrer Lieblingsdroge. Für jene Junkies aber, die, gerade weil sie im
Dunkeln stehen, man so deutlich vor Augen hat, wurde Heroin erst zum
gesundheitlichen Problem, als der Staat per Verbot in die Konsumbedingungen
eingriff und statt eines legalen Marktes einen Schwarzmarkt schuf. Als Abhängige
darauf angewiesen, jeden Preis zu zahlen, müssen sie unter dem Verdikt der
Illegalität das Hundert- bis Tausendfache des Produktionspreises für die Shore
hinblättern, und wer sich es auf anderem Wege nicht leisten kann, ist verwiesen
aufs Stehlen, Dealen und Anschaffen (und damit auch auf eine doppelte
Kriminalisierung). Meist reicht das Geld nur noch fürs Heroin, für ausreichende
Nahrung oder gar - schlimmster, leider nicht seltener Fall - auch für die
Wohnung nicht mehr. Auf ärztliche Versorgung muß schon allein aus Angst vor
Entdeckung des Drogenkonsums und den damit verbundenen Konsequenzen verzichtet
werden. Der solcherart ausgemergelte Körper aber verträgt weder einen möglichen
allergischen Schock auf die dem Straßenheroin, dessen Reinheitsgrad in Großstädten
unter 10% liegt, zugesetzten Streckmittel noch die wegen dessen schlechter
Qualität zur Wirkungsverstärkung konsumierten Psychopharmaka. Allergrößtes
Risiko birgt ironischerweise allzu reines Heroin, dessen Qualität unterschätzt
und das deshalb irrtümlich überdosiert wird. Und wer, im Knast z.B., wo
Spritzentausch noch immer kategorisch verboten ist - wohl um das Problem der Überbelegung
zu lösen -, keinen Zugang zu reinem Spritzbesteck hat, lebt ständig in der
Gefahr, sich beim "needle-sharing" AIDS oder Hepathitis zuzuziehen. Über
tausend Junkies jährlich läßt die Prohibition verrecken; schließlich dient ihr
Schicksal, so der frühere Bundesdrogenbeauftragte Franke offen, als
abschreckendes Beispiel. Neben
diesem staatlich verordnetem gesundheitlichen Verelendungsprogramm sind Junkies
unzähligen anderen Angriffen auf ihre Menschenwürde ausgesetzt: Sie werden aus
Familie, Job und Schule herausgeschmissen und zu Cleantherapien gezwungen, die
mehr Gehirnwäschen gleichen und denen Junkies immer häufiger den Knast
vorziehen. Ihnen wird fast prinzipiell das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen,
und drogenabhängige Prostituierte, noch rechtloser als ihre (ohnehin schon
diskriminierten) KollegInnen, werden bevorzugt von Freiern vergewaltigt oder
abgelinkt. Und nicht zu vergessen die ständig drohende oder erlittene
Verknastung - mehr als 50% der bundesdeutschen Gefangenen werden dieser
brutalen Praxis wegen Drogenkonsums oder Beschaffungskriminalität unterzogen.
Und der einzige soziale Zusammenhalt, die die Gesellschaft den Junkies zuweist,
die Szene, wird ständig von Staatsknechten auseinandergeknüppelt Das
sauberere Verbot: Methadon. Gegen
diese Zustände gibt es seit Mitte der 80er Jahre eine Protestbewegung aus den
Betroffenen selbst, aus mit dem Problem konfrontierten SozialarbeiterInnen und
aus kritischen WissenschaftlerInnen. Ihrer Arbeit ist es zu verdanken, daß in
der öffentlichen Diskussion vermehrt über Alternativen zur Prohibition
nachgedacht wird. Was davon bisher - hauptsächlich unter sozialdemokratischer
Regie - politische Praxis geworden ist, trägt den Namen Methadon und ist nun
weniger Alternative denn Weiterentwicklung des Bestehenden. Die
staatliche Vergabe von L-Polamidon oder Methadon an ausgewählte besonders
Verelendete mag manchen von diesen vor dem Tod bewahrt haben. Wer sich aber
fragt, warum nun nicht gleich die - abgesehen von der Depotdauer -
pharmakologisch vom Methadon kaum unterscheidbare Droge Heroin verabreicht
wird, verkennt den ideologischen Impetus der Politik. Ihr geht es weiter um die
Kontrolle, freilich um die effektivierte: Die Junkies stehen nun nicht mehr
unter der willkürlichen Aufsicht der Polizei, sondern unter der dauerhaften des
Gesundheitsapparates, von der er tagtäglich abhängig ist, ständig überprüft
wird und durch Runterdosierung oder Rausschmiß bestraft werden kann. Daß beim
Methadon der "Kick" fehle, wie zur Unterscheidung angeführt wird,
(auch wenn es in Wahrheit mehr mit der Applikationsform Trinken - im
Unterschied zum Injizieren - als mit der Substanz zu tun hat), verweist darauf,
daß weiterhin den HeroingebraucherInnen die Selbstbestimmung abgesprochen wird.
Ihr gewähltes Genußmittel soll durch ein Medikament substituiert, sie selbst
weiterhin als abnorm behandelt werden - bloß nicht mehr als kriminell, sondern
als krank. An diesem Paradigma würde auch die von Hamburg und Frankfurt
beantragte ärztliche Heroinvergabe nichts ändern - welche
ZigarettenraucherInnen hätten schon Lust, ihre Lieblingsdroge nur unter
medizinischer Aufsicht zu genießen? Kein Wunder ist es da, daß die
Methadonmusterstädte Frankfurt und Bremen sich zugleich durch brutale
polizeiliche Übergriffe auf offene Junkieszenen auszeichnen, denn zur Einsicht,
krank zu sein, bedarf es manchmal erst der Entscheidungshilfe durch den Knüppel. Solange
Methadonprogramme für viele Junkies die einzige Überlebenshoffnung ist, solange
manche von ihnen, wie in Bayern, sich in ihrer Verzweiflung HIV-positives Blut
spritzen, um in den Genuß staatlicher Drogenabgabe zu gelangen, solange ist die
Medizinalisierungslogik zwar zu kritisieren, gegen ihre Angriffe von
Konservativen oder - wie in Hamburg - gegen Krankenkassen, denen sie schlicht
zu teuer wird, zu verteidigen. Wer dabei aber vergißt, daß sie mit dem Ziel
eines menschenwürdigen Lebens für HeroingebraucherInnen nichts zu tun hat,
tappt genau in die Falle, in der Teile der Bewegung für akzeptierende
Drogenarbeit schon heute stecken: Im Bestreben, der Herrschaft die Ausweitung
der Methadonprogramme schmackhaft zu machen und den eigenen, durch die Eckdaten
der Repression bestimmten Arbeitsalltag erträglicher zu gestalten, zerbrechen
sie sich den Kopf bloß noch darüber, wie die Substitution kontrollierter und
reibungsloser - und damit auf dem Rücken der Betroffenen - ablaufen könnte. Der
angstfreie Rausch: die Freigabe. JungdemokratInnen
/ Junge Linke fordern stattdessen die Freigabe aller derzeit kriminalisierten
Rauschmittel und ihre Abgabe in lizensierten Drogenläden, in denen nicht die
KonsumentInnen, wohl aber die Qualität und Preise der Waren der Kontrolle
unterliegen. Daß es dann zu einem Drogenboom käme, bezweifeln wir; Erfahrungen
mit der Legalisierung von Alkohol in den USA, von Haschisch in den Niederlanden
belegen eher das Gegenteil. Unser Anliegen ist jedoch auch nicht das, daß möglichst
wenige (oder auch möglichst viele) Drogen nehmen; unser Anliegen ist, daß
denen, die sich berauschen wollen, dies unter Bedingungen möglich ist, die frei
sind von Verfolgung, Vereinzelung und erzwungener Selbstschädigung. Und für
alle nicht weiter behandelten Drogen wie LSD oder Kokain wie für jene phantastisch
gefährlichen neuen Bedrohungen unserer Jugend, Crack beispielsweise oder
sogenannte "synthetische Drogen", die die Herrschaft als
Rechtfertigung der Drogenpolitik an die Wand malen mag, wenn ihr im Falle des
Heroins die Argumente ausgehen, gilt: Nirgendwo hat eine Prohibition die
Verbreitung dieser Substanzen zu verhindern mögen, wohl aber die Bedingungen für
ihren möglichst gesundheitszuträglichen wie lustvollen Gebrauch. Der Staat als
Wächter über die guten Sitten scheitert schon an seinem eigenen Anspruch, wird
er denn wörtlich genommen. Wir
wissen, mit dieser Forderung nicht nur in guter Gesellschaft uns zu befinden.
Neoliberale Ökonomen wie Milton Friedmann unterstützen die Legalisierung, um
unnötige gesellschaftliche Kosten zu sparen - neben denjenigen Kosten, die
durch Beschaffungskriminalität und Repression entstehen, auch die unproduktiven
für Firlefanz wie Gesundheitsversorgung für die Überflüssigen, zu denen dann
auch die DrogenkonsumentInnen gehören würden, die nach der Legalisierung noch
meinen, ein Problem mit ihrem Drogenkonsum zu haben. Wir wissen (anders als die
HanflobbyistInnen) auch, daß mit der Legalisierung kein goldenes Zeitalter
anbrechen würde, sondern daß die Freigabe unter den gegebenen
gesellschaftlichen Bedingungen keine "Utopie", sondern eine schlichte
Notwendigkeit darstellt. Daß die gleichen gesellschaftlichen Bedingungen diese
Notwendigkeit zugleich so unwahrscheinlich wie noch die romantischste Utopie
machen, mag damit zusammenhängen, daß die Prohibition genauso mörderisch wirkt,
wie sie eben wirkt: Daß ein jedeR sein einzelnes, unter dem Diktat der
Kapitalverwertung völlig unerhebliches und austauschbares Leben damit adeln
kann, im Unterschied zu den Junkies wenigstens nicht auf der Bahnhofstoilette
zu verrecken. Daß es so kommen muß, wenn man die Ekstase und nicht die Arbeit
heiligt. Und daß jeder tote Junkie, egal wie sehr man, als er noch lebte,
seiner Abstrafung Beifall spendete, dem Kollektiv als Anlaß dient, enger
zusammenzurücken und die "zwischenmenschliche Kälte" folgenlos
bejammern zu können, um dann zur verschärften Verfolgung der
"gewissenslosen Dealer" aufzustacheln. Doch das ist ein anderes
Kapitel, das wohl "Revolution" zu betiteln wäre. Empfehlenswerte
Literatur: De
Ridder, "Heroin: Geschichte - Legende - Fakten", in: Grözinger (Hg.),
"Recht auf Sucht?", Berlin 1991 Van
Wely, "Körperliche Wirkungen des Opiatkonsums", in: Scheerer / Vogt
(Hg.), "Drogen und Drogenpolitik", FfM 1991 Harding,
"Kontrollierter Heroingenuß", in: Völger / Welck (Hg.), "Rausch
und Realität", Reinbek 1982 Schmidt-Semisch,
"Drogen als Genußmittel" sowie "Die prekäre Grenze der Legalität",
München 1992 & 1994 Akzept
e.V., "Menschenwürde in der Drogenpolitik", Hamburg 1993 Palette
e.V., "Warum wir für die Legalisierung von Heroin sind", Eigenverlag,
Bestelladresse: Palette, Bartelsstr. 12, 20357 Hamburg |
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