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die Welt. Montag
03.märz.2003 Hamburger Heroin-Versuch droht der Abbruch Schwierigkeiten bei der Teilnehmersuche dauern an. Senator erwägt
Stopp des bundesweiten Modellversuchs von Ira von Mellenthin Hamburgs
Gesundheitssenator Peter Rehaag schließt auf Grund der anhaltenden Probleme bei
der Rekrutierung von Probanden nicht mehr aus, dass der bundesweite
Heroin-Versuch vor Ablauf des auf drei Jahre konzipierten Pilotprojekts
abgebrochen werden muss. Wenn alle Bemühungen, genügend Drogenabhängige für den
Versuch der ärztlich kontrollierten Heroinabgabe zu finden, scheiterten, könne
ein „Punkt erreicht werden, an dem ich sage, der Modellversuch muss gestoppt
oder heruntergefahren werden", erklärte Rehaag in einem Gespräch mit der
WELT. Der bundesweite Versuch
leide unter dem veränderten Konsum- und Substanzverhalten der Abhängigen. Dies
belegten die Schwierigkeiten, die alle dem Versuch angeschlossenen Städte
hätten, hinreichend Probanden zu finden. Setze sich dies dauerhaft fort, wäre
es „fatal, den Versuch mit der Brechstange durchzusetzen und weiter
Millionenbeträge zu investieren". „Dann", so Rehaag, „müssen wir zu
dem Eingeständnis kommen, dass der Versuch gescheitert ist und Konsequenzen
ziehen." Derzeit sei es jedoch für
diesen Schritt zu früh. Vielmehr müssten die Anstrengungen, Teilnehmer für den
Modellversuch zu finden, noch ausgeweitet werden. Hamburg habe als beteiligte
Stadt dabei die größten Anforderungen, „weil wir mit 460 Probanden den größten
Teil erfüllen müssen". Ob Hamburg als Initiator des Versuchs tatsächlich
auch die mit Abstand meisten Teilnehmer stellen müsse, sei durchaus „kritisch
zu sehen". Gleichwohl müsse die Stadt jetzt die Bedingungen erfüllen.
„Pacta sunt servanda." Die Akquisitionsbemühungen
der Gesundheitsbehörde und der für das Heroinprojekt gegründeten Hamburger
Drogenambulanzen GmbH sind indessen von der Erfüllung der Sollzahlen von 230
Probanden für die Heroinvergabe und 230 Probanden für die Methadon-Substitution
weit entfernt. Nach Informationen der WELT konnten bisher für beide
Vergabeformen nur je rund 60 Langzeit- und Schwerstabhängige rekrutiert werden.
Bei den Patienten, die im Methadon-Programm landeten, sei die Abbrecherquote
besonders hoch. Bis zu 50 Prozent der Abhängigen, heißt es, hielten nicht
durch. Die Akquisitionsversuche
sollen nun in den kommenden Wochen erneut ausgeweitet werden. Nach Rehaags
Angaben würden Aufenthaltsorte von Abhängigen noch intensiver aufgesucht. Zudem
werde noch enger das Gespräch mit Hilfeträgern und niedergelassenen Ärzten gesucht.
Gleichzeitig will Rehaag
das Hilfeangebot für Crack-Süchtige ausweiten. So werde derzeit mit den
Drogenhilfeträgern verhandelt, wie die Öffnungszeiten in Bahnhofsnähe
verlängert werden könne. „Wir wollen in St. Georg auch diejenigen von der
Straße holen, die sich nachts und in den Morgenstunden immer wieder heftige
lautstarke Auseinandersetzungen um Drogen liefern." Die Ausweitung der
Öffnungszeiten koste jedoch „ein unglaubliches Geld", das die
Gesundheitsbehörde allein nicht aufbringen könne. „Mit 19 Millionen Euro wenden
wir bereits mehr Mittel für Drogenhilfe auf als jeder andere Senat vor
uns", so Rehaag. Den Suchthilfeetat weiter zu erhöhen, komme nicht in
Betracht. „Hier müssen jetzt alle Behörden übergreifend handeln, da es auch um
die übergeordnete Problematik der Obdachlosigkeit geht." Das neue zentrale
Drogenhilfezentrum in St. Georg soll unterdessen in diesem Herbst eingeweiht
werden. An der Verlagerung der Hilfeeinrichtung Fixstern aus dem
Schanzenviertel hält Rehaag dabei fest. Allerdings könnten „Alternativen nicht
von vornherein kategorisch ausgeschlossen werden". Rehaag: „Wenn es einen
allgemein verträglichen Standort gibt und keine unvertretbar zusätzlichen
Kosten entstehen, werde ich hierüber intensiv nachdenken." Artikel erschienen am 3. Mär 2003 |
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